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Tallinns Häfen

Pirita

In den derzeitigen, deutschsprachigen Hafenhandbüchern findet man für Tallinn ausschließlich den Hafen Pirita aufgeführt. Dies ist der alte Olympiahafen von 1980, der sich einige Kilometer außerhalb der Innenstadt von Tallinn befindet. Man kann vermuten, dass der damalige Architekt sich einiges in dem Olympiahafen von 1972 in Kiel Schilksee abgeguckt hat. Pirita ist eine Betonhochburg und kann an sich nur durch den Blick auf die Stadtsilhouette und das nahegelegene St. Birgittakloster punkten. Der Hafen ist groß, bietet zwei „Buchten“ für Gastlieger mit Heckbojen. Allerdings sind diese Plätze extrem unruhig, selbst bei schwachen Winden. An Infrastruktur bietet der Hafen einiges, aber bei weitem nicht alles. Die Sanitäreinrichtungen sind alles andere als schön. Es stehen Toiletten zur Verfügung, die öffentlich sind und daher in einem entsprechenden Zustand sich präsentieren. Duschen gibt es im Tenniscenter, das sich auch auf dem Gelände befindet. Einmal Duschen in einer Sammelumkleide mit mäßiger Sauberkeit kann man zu einem Preis von 3€ erkaufen. Immerhin gibt es an den Stegen Strom und Wasser kann man sich auch organisieren. Im Hafen befindet sich direkt eine Tankstelle, die sowohl Diesel als auch Benzin im Angebot hat. Auch gibt es im Hafen einen Segelshop, der sehr gut sortiert ist. Wlan ist im Hafen ebenfalls verfügbar, allerdings ist die Qualität des Netzes sehr schlecht. Im Büro des Hafenmeisters steht jedoch ein Rechner, den man nutzen kann. Allerdings liegt hier das Problem nicht in einer langsamen Internetverbindung, sondern an dem antiquierten Rechner. Der Hafen wird nicht nur für Gastlieger genutzt. Es gibt hier zahlreiche einheimische Segelyachten und Motorboote, die deutlich geschütztere und ruhigere Liegeplätze haben. Auch wird der Hafen als Campingplatz genutzt. So stehen im Hafenbereich zahlreiche Wohnmobile und auch Platz für Zelte ist vorhanden. Für ein 9m langes Boot ist der Hafen mit 18€ pro Tag für Tallinn die günstigere Alternative.

Old City Marina

Wer allerdings bereit ist, etwas mehr Geld auszugeben, dem sei die Old City Marina ans Herz gelegt. Sie befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Altstadt und bietet jeglichen Komfort, den sich ein Segler wünscht. Die Old City Marina liegt direkt hinter den Fährterminals. Die Zufahrt erfolgt auch über das Hafenbecken, in dem die Fähren und teilweise auch Kreuzfahrtschiffe liegen. Aus diesem Grund ist einige Meilen vor der Hafeneinfahrt über Kanal 14 Old City Harbour Port Control zu rufen. Hier erhält man Informationen zur Einfahrt. Auch befindet sich direkt an der Mole eine – wenn gleich auch sehr kleine – Ampel. Diese muss auf grün stehen, dann kann man in den Hafen einfahren. Leider wird diese Ampel oft nicht bedient, so dass es sich empfiehlt beim Funkverkehr direkt die Ampel anzusprechen, dann wird auch nicht vergessen, das Licht auf grün zu schalten. Die Old City Marina ist nur wenige Jahre alt. Es gibt Schwimmstege mit Strom und Wasser. Wlan ist im ganzen Hafen verfügbar, teilweise aber auch von mäßiger Qualität. Im Sanitärgebäude wartet nicht nur der Hafenmeister sondern neue Duschen, Waschräume und Toiletten sowie eine Sauna. Ebenso gibt es einen Waschraum, in dem zwei neue Waschmaschinen und ein Trockner auf die Wäsche der Segler warten. Eine Wassertankstelle ist vorhanden und Supermärkte gibt es in ausreichender Anzahl in unmittelbarer Nähe des Hafens. Auch die zahlreichen Läden, die ausschließlich alkoholische Getränke anbieten, sind in fußläufiger Entfernung zu finden. Für ein 9m langes Segelschiff zahlt man 30€ pro Tag. Hier drin enthalten ist allerdings auch alles (Strom, Wasser, Duschen, Sauna, Waschmaschine, Trockner, Internet).

Jeder noch so tolle Hafen hat natürlich auch seine negativen Seiten. Zum einen befindet sich direkt neben der Old City Marina ein Jahrmarkt (da er Tivoli genannt wird, vermuten wir, dass er die ganzen Sommermonate hier Station macht), was die Geräuschkulisse deutlich prägt. Aber um Punkt 23 Uhr schließt der Jahrmarkt und dann ist es wieder ruhig im Hafen. Es sei denn leicht angetrunkene Finnen finden den Weg zu ihrem Schiff nicht. An Wochenenden ist der Hafen voll, nahezu überfüllt, da unzählige Finnen nach Tallinn segeln um hier Alkohol zu bunkern. Dies scheint sich jedes Wochenende in der Saison zu wiederholen, so dass es schwierig ist am Wochenende einen Platz in der Old City Marina zu bekommen. Es empfiehlt sich daher unbedingt einen Platz zu reservieren. Per Email kann dies nicht unbedingt von Erfolg gekrönt sein, ein Anruf mag dort mehr Erfolg bringen. Entsprechende Kontaktdaten finden sich auf der Internetseite. Problematisch ist derzeit ein wenig der Service im Hafen. Die Hafenmeister sind nicht sehr dienstleistungsorientiert. Leinen werden in der Regel nicht angenommen. Es kann einem auch passieren aus dem Hafen abgewiesen zu werden, obwohl zahlreiche Boxen leer stehen. Zudem benötigt man einen Zahlencode zum Öffnen der Tür zu den Sanitäreinrichtungen. Diesen besorgt man sich am besten am ersten Tag von anderen Seglern. Und Achtung! Der Code wird des Öfteren geändert und das vorzugsweise am Abend! Doch mit etwas Geduld und Zuversicht klappt auch in diesem Hafen alles. Ausklarieren ist auch möglich. Die Grenzbeamten kommen in den Hafen, wenn notwendig der Zoll auch. Und bei ganz großen Problemen gibt es nach Merike Reede von dem Charterunternehmen sailing.ee. Sie ist eine sehr aufgeschlossene junge Frau, die ausgezeichnet deutsch spricht und gerne weiterhilft.

Weitere Informationen zur Old City Marina gibt es hier.