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Wale in der Ostsee?

Ein Schweinswal
(Foto: H. Benke)

Der Schweinswal (phocoena phocoena)

Ja, es gibt Wale in der Ostsee! Es handelt sich um einen der kleinsten Wale √ľberhaupt - den Schweinswal. Er wird bis zu zwei Meter lang und wiegt zwischen 40 und 80 kg. Oftmals werden die Schweinswale auch kleiner T√ľmmler genannt. Es gibt verschiedene Arten von Schweinswalen, die in K√ľstengew√§ssern Europas, Nordwestafrikas, Nordamerikas und Ostasiens vorkommen. In der Ostsee finden sich √ľberwiegend im Westteil noch Schweinswale, die im Durchschnitt f√ľnfzehn Jahre alt werden.

Lebensweise und Verhalten

Schweinswale bewegen sich oft in tr√ľben, schwebstoffreichen Gew√§ssern fort. Damit sie sich im Wasser orientieren k√∂nnen, haben sie ein Echoortungssystem, das ihnen Informationen aus der Umgebung liefert. Sie erzeugen eine Folge von kurzen Schallimpulsen, die auch als Klicks bezeichnet werden. Die Schallimpulse haben einen Frequenzbereich von 130.000 Hertz. Vergleichbar ist das Walsonar mit der Navigation der Flederm√§use.

Schweinswale nimmt man beim Segeln oft durch ein kurzes Schnaufen war. Schweinswale sind Lungenatmer und m√ľssen daher regelm√§√üig an die Wasseroberfl√§che kommen. In der Regel stecken die Schweinswale etwa vier Mal pro Minute ihren Kopf kurz aus dem Wasser oder bleiben nah an der Wasseroberfl√§che. Schweinswale sind aber auch gute Taucher, sie k√∂nnen bis zu 80 Meter tief tauchen und ca. sechs Minuten unter Wasser bleiben.

Junge Schweinswalbabys wird man im Mai und Juni sehen k√∂nnen. Nach einer Tragzeit von zehn bis elf Monaten werden sie mit dem Schwanz voran geboren, damit die Schwanzflosse sich w√§hrend des Geburtsvorganges entfalten kann und auszuh√§rten beginnt. Das ist √ľberlebenswichtig, da so das Schweinswalbaby unmittelbar nach der Geburt in der Lage ist, der Mutter zu folgen folgen und an die Wasseroberfl√§che zu gelangen um zu atmen. In der Regel wiegen die Schweinswale nach der Geburt f√ľnf bis sechs Kilo und sind halb so lang wie das Muttertier. Acht Monate lang wird das Schweinswalbaby von der Mutter mit Milch versorgt, ab f√ľnf Monaten beginnt der junge Schweinswal kleinen Fischen nachzujagen. Schweinswalnachwuchs ist leider selten geworden!

Schweinswal in Gefahr

Nur eine kleine Teilpopulation des Schweinswals lebt noch in der Zentralen Ostsee und die Zahl der Tiere hat in den letzten Jahrzehnten drastisch abgenommen. Die ihnen drohenden Gefahren und Probleme sind bisher nur wenig erforscht, insbesondere was das m√∂gliche Zusammenwirken der Belastungen und die r√§umliche Verteilung betrifft. Zu den gr√∂√üten Bedrohungen f√ľr den Ostsee-Schweinswal z√§hlen Beifang, chemische Verschmutzung und Unterwasserl√§rm. Von der Weltnaturschutzorganisation IUCN wird der Schweinswal in der Zentralen Ostsee als vom Aussterben bedroht angesehen. Ferner ist er durch die europ√§ische Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) und durch das UNEP Abkommen zum Schutz der Kleinwale in Nord- und Ostsee, des Nordostatlantiks und der Irischen See (ASCOBANS) gesch√ľtzt.

Ein effektiver Schutz ist auf Grund mangelnden Wissens √ľber die Zahl der Tiere und ihre bevorzugten Lebensr√§ume schwer zu erreichen. Deshalb gibt es einen dringenden Bedarf, mehr Daten √ľber die Gr√∂√üe und das Verbreitungsgebiet der Population sowie ihre Ver√§nderungen im Laufe der Zeit zu sammeln. Und Segler k√∂nnen mit Sichtungsmeldungen ihren Teil zum Schutze der Schweinswale beitragen.

Obwohl man die Tiere in der d√§nischen S√ľdsee noch regelm√§√üig zu Gesicht bekommt - der Ostsee-Schweinswal ist eine der am meisten bedrohten Tierarten weltweit!

In Kerteminde

Kleiner Wal in großer Not

Informationsvideo zu Schweinswalen
mit freundlicher Genehmigung
der GSM e.V. (Video from vimeo)