Ja, es ist vollbracht! Wir haben das Kap Horn des Nordens hinter uns gelassen und damit doch tatsächlich die Hanöbucht besiegt!

Aber der Reihe nach. Am Samstag haben wir es endlich geschafft, wir haben Karlskrona verlassen. Doch diese Abfahrt bedurfte zweier Versuche. Es war für die Morgenstunden ein kräftiger Südwind vorhergesagt, der im Laufe des Tages abnehmen sollte und später auf Nordwest drehen sollte. Unser Plan war es im geschützten Schärenfahrwasser Richtung Westen zu fahren. Da würde uns der starke Südwind und die damit zusammenhängende Welle auch nichts ausmachen - so dachten wir. Also ging es früh um 7 Uhr los, denn wir wollten bis nach Hanö kommen und dort möglichst vor der Nordwestdrehung des Windes angekommen sein. Denn ansonsten hätte wieder Kreuzen auf dem Programm gestanden. Wir machen alles segelfertig und los gehts. Schon nach wenigen Meilen - eigentlich schon nach einer Meile - bläst uns ein kräftiger Wind von mehr als 20 Knoten entgegen. Mmmh, wir sind noch in der Abdeckung. Eine halbe Meile weiter klatschen uns Wellen entgegen, die sich gewaschen haben. Ok, dafür haben wir nun wirklich nicht acht Tage in Karlskrona gewartet um bei der Welle und dem Wind rauszufahren. Wir drehen um und warten auf die Wetterberuhigung. Um 11 Uhr versuchen wir es erneut. Der Wind ist deutlich weniger geworden und gleiches gilt für die Welle. Wir motoren zur Haslöbrücke. Diese ist an sich zu niedrig für uns, aber es ist glücklicher Weise eine Drehbrücke und sie öffnet immerhin jede Stunde einmal. Wir sind das einzige Schiff, das die Brücke passiert. Danach setzen wir die Segel. Der Wind ist recht schwach und als wir aus den geschützten Gewässern kommen, werden wir mal wieder so richtig wach. Die Welle ist noch immer sehr hoch und bei dem mittlerweile so schwachen Wind schlagen unsere Segel und Fritsjen befindet sich auf einem Rodeoritt. So kommen wir nicht nach Hanö, das ist uns auch ganz schnell klar. Unsere erste Alternative ist Göholm. Wir steuern direkt den Hafen an. Er ist klein, aber in unmittelbarer Nähe und insbesondere bei nordwestlichen Winden sehr geschützt. Immerhin ein paar Segelboote liegen im Hafen - es sind ausschließlich Einheimische. Wir finden noch eine Heckboje und vertäuen Fritsjen in Göholm. Noch in Ölzeug machen wir einen kurzen Inspektionsrundgang, denn was wir bisher nicht erwähnten, es regnet bzw. gießt. War doch die letzten acht Tage herrlichstes Herbstwetter - vom Wind mal abgesehen - so regnet es bereits seit früh um 7 Uhr Bindfäden. Entsprechend trostlos ist es auch in Göholm. Ein paar wenige Eigner machen ihre Boote winterfertig, ansonsten wirkt der Hafen verlassen. Es gibt noch ein paar ältere Schiffe an Land, ein unbenutzbares Trocken-WC sowie Strom und Wasser. Ansonsten gibt es nichts. Gut zu wissen, denn so verkrümeln wir uns guten Gewissens unter Deck. Lesen, schlafen und schauen zur Erheiterung "Ratatouille". Ab und an verderben wir unsere Laune durch einen Wettercheck. Immerhin - eines ist uns durch diesen Tag klar geworden - wir haben nichts falsch gemacht. Es war in jedem Fall gut die Tage in Karlskrona zu bleiben. Bis nach Göholm wären wir in dem einen oder anderen Wetterfenster sicher gekommen, doch dort hätten wir definitiv gar nichts gehabt: keine Dusche, kein WC, keine Einkaufsmöglichkeit - einfach nichts. Auch wären wir nicht weiter gekommen, die Welle, die sich die Tage über durch den kräftigen Südwestwind aufgebaut hat, wäre definitiv zu groß für uns und Fritsjen gewesen.

Für Sonntag sind nordwestliche Winde angesagt. Die Richtung ist an sich prima um weiterzukommen. Aber bei weit über 20 Knoten?! Was haben wir dann für eine Welle zu erwarten, wenn wir quer über die Hanöbucht fahren? Früh morgens schauen wir hinaus und beschließen, noch ist einfach zu viel Wind. Gegen 10 Uhr gibt es eine Nachricht von Frieder, der in einer Ankerbucht nahe Göholm die Nacht verbracht hat und schon auf dem Wasser ist. Er gibt Entwarnung, Wind ist ok. Einer kurzer Schnack mit einem Einheimischen gibt uns den letzten Ruck: Wir fahren direkt nach Simrishamn und werden nicht die Küste erst bis Hanö und dann gen Süden abfahren. Der Local sagte zu uns: nutzt die Chance, nur heute ist hier keine Welle, ab morgen steppt hier wieder der Bär. Wir setzen Groß und Fock und los geht es. Wir fliegen zwar nicht, auch sind die Wellen immer noch ganz ordentlich, doch mit guten fünf Knoten nähern wir uns Simrishamn. Es sind knapp 50 Seemeilen. Es ist abnehmender Wind angesagt und so bangen wir stets ein wenig, wann es wohl zum Segeln nicht mehr reichen wird. Aber wir haben Glück und können zwei Drittel der Strecke segeln. Im Dunkeln laufen wir Simrishamn an. Wir freuen uns, dass das Richtfeuer gut zu erkennen ist und die Molenköpfe ebenso. Pünktlich zum Tatort machen wir in Simrishamn fest. Doch zum Tatort gucken bleibt keine Zeit. Wir sind hungrig und durchgefroren. Schnell machen wir uns Würstchen warm und dazu gibt es Kartoffelsalat. Und der Heizlüfter wird angeschmissen. Irgendwie müssen die Füße ja mal auftauen. Und dann gehen wir wieder unserer liebsten Beschäftigung nach - dem Wettercheck. Er sagt für Montag kräftigen Wind vorher - es gibt eine Sturmwarnung für unser Gebiet - mal wieder. Aber der starke Ostwind soll erst gegen Mittag/Nachmittag kommen. Wir sehen ganz in der Frühe ein Wetterfenster um Simrishamn hinter uns zu lassen und um die Ecke nach Ystad zu huschen. Denn der Welle der Hanöbucht trauen wir nicht mehr. Und vermutlich hätten wir bei der Welle, die durch den starken Ostwind entstehen wird, vor Simrishamn am Dienstag keinen Spaß. So schmeißen wir nach einer kurzen Nacht um 5.30 Uhr die Leinen los. Noch herrscht schwacher Wind aus Nord bis Nordwest. Aber es dauert nicht lange und der Wind dreht auf Ost. Wir wollen einfach nur zügig vorankommen, bevor die angekündigten 30 Knoten kommen. Wir setzen die Fock und lassen den Motor zur Unterstützung mitlaufen wenn wir unter fünf Knoten Fahrt machen. Der Wind ist zum Glück noch sehr human, dennoch wundern wir uns über die Welle, die in der kurzen Zeit bei gerade mal vier Beaufort entstanden ist. Wir passieren das Kap Horn des Nordens - so heißt die Landspitze bei Sandhammaren unserem schwedischen Hafenhandbuch nach. Die Freude ist groß, haben wir doch so endlich die Hanöbucht hinter uns gelassen. Es dauert dann auch nicht lange und der Wind briest auf - es sind nun schon 20 Knoten. Zum Glück ist der Hafen nicht mehr weit und so machen wir noch deutlich vor 12 Uhr in Ystad fest. Mit uns laufen noch drei weitere Yachten ein - zwei Deutsche und ein Franzose - sie alle suchen Schutz für den angekündigten Starkwind. Nur eine schwedische Yacht aus Göteborg scheint auf den Starkwind gewartet zu haben, sie läuft am Nachmittag aus und kreuzt - wohin auch immer... Wir können da nur den Kopf schütteln.

Wir genießen nun unsere Kap-Umrundung, gönnen uns ein richtiges Frühstück und werden uns auf die Spuren von Kurt Wallander begeben. Vermutlich bleiben wir morgen auch hier, denn Kolja kommt mit der Fähre nach Trelleborg und dann wollen wir zu dritt weiterfahren.