Wir sind angekommen! Auf den Alands! Aber bis dahin war es ein recht langer Weg. Am Samstag hatten wir einen richtig flotten Segeltag. Von Huseliiharen ging es für uns zunächst ganz gemächlich los. Frühstück gab es auf See, wir segeln nur unter Genaker ganz gemütlich durch enge Gewässer. Nach dem Frühstück - der Wind ist wider Erwarten immer noch sehr raum und flau - entscheiden wir uns den Spi zu setzen. Fortan kommen wir zügig voran. Obwohl wir dachten, den Spi nur für kurze Zeit setzen zu können, segelten wir einige Stunden unter Spi Richtung Öregrund. Dann musste der Spi irgendwann doch der Fock weichen - wir mussten den Kurs ändern. Aber auch unter Fock geht es zügig voran. Und so sind wir nach 46 Seemeilen viel früher in Öregrund als gedacht. Schon um 18 Uhr machen wir die Leinen fest bzw. nehmen vom Hafenmeister die Mooringleine entgegen. Von Öregrund hatten wir nicht viel erwartet und so sind wir positiv überrascht über einen netten Hafen, der fast leer ist. Mit uns sind noch zwei weitere Segler und ein Motorbootfahrer zu Gast im Hafen. Wir nutzen die Chance und kaufen noch Kleinigkeiten im ICA-Supermarkt ein und machen einen kurzen Dorfrundgang. Da uns das Örtchen ganz gut gefällt, verzichten wir auf eigene Küche, wir kehren ein und gönnen uns mal wieder einen Hamburger und dazu vergoldetes Bier (zumindest kann man es vom Preis her vermuten). Es ist Samstag Abend und das bekommen wir ganz gut zu spüren. Im Hafen ist Party. Zunächst auf dem Motorboot, dann in dem Restaurant nebenan - Nick gibt an der Gitarre ein paar Songs zum besten - und dann geht es weiter in einem Pub auch am Hafen. So hat Thorsten - wenn auch nicht ganz freiwillig - bis nachts um 3 Uhr wunderschöne musikalische Untermalung.
Den Sonntag starten wir mit einem Sonntagsfrühstück. Es gibt frische Brötchen - die gab es bei uns seit Monaten nicht - und ein Frühstücksei. Für den Tag hatten wir uns nur 26 Seemeilen vorgenommen - wir wollen nach Enskär, die westlichste Insel der Alands. Wir setzen direkt nach dem Hafen von Öregrund die Segel und segeln ganz gemächlich den Öresund entlang. Mal geht es schneller, mal langsamer. Mit zunehmender Tageszeit wird es eigentlich immer langsamer, obwohl alle Wetterdienste übereinstimmend mal wieder etwas anderes vorhergesagt hatten: der Wind sollte auf Nord drehen und dann recht kräftig blasen. Naja, wir genießen mal wieder die Sonne, dümpeln langsam vor uns her und amüsieren uns mit dem Buch "Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich", das über Beobachtungen während einer siebentägigen Luxuskreuzfahrt in der Karibik berichtet. Während wir uns über die Aktivitäten auf dem Kreuzfahrtschiff lustig machen, ziehen über Land Wolken auf - und diese ziehen schnell auf und sind verdammt dunkel. Zudem ist es recht warm. Wir erwarten alle drei, dass die Wolken nicht nur Regen bringen. Also, wird sogleich gehandelt. Schnell wird auf die Karte geschaut und nach einer nahegelegenen Anlegestelle Ausschau gehalten. Wir entscheiden uns für eine Bucht, nehmen die Segel runter und motoren zu der auserwählten Bucht. Dort tasten wir uns langsam ins Flache, schmeißen den Anker und direkt im Anschluss beginnt es zu regnen und zu gewittern. Gerade noch rechtzeitig, denken wir alle. Dann müssen wir die Frage klären: was nun? Es ist bereits 17 Uhr. Bis nach Enskär haben wir noch 15 Seemeilen vor uns, in der Bucht bleiben, wollen wir nicht, der nächste Hafen wären Grisslehamn sieben Seemeilen südlich von uns. Aber der Hafen ist nach Osten hin offen und morgen soll Ostwind kommen und wir müssten dann die ganze Strecke zu den Alands kreuzen - auch doof. Wir schauen das Wetter an und entschließen uns, die 15 Seemeilen nach Enskär in Angriff zu nehmen. Wir setzen das Groß im ersten Reff und dazu die Fock. Und dann geht es zügig und nass hinüber zu den Alands. Ein richtig fetter Schauer erwischt uns noch, aber ansonsten verläuft die Überfahrt schneller und problemloser als gedacht. Um 20 Uhr sind wir schon in Enskär.
Enskär ist eine kleine Insel, ehemals eine Zollstation und Grenzkontrolle und bietet einen kleinen Anleger. Zu unserer Überraschung sind wir nicht die einzigen auf Enskär. Es liegt eine finnische Yacht im Hafen. Die freundlichen, leicht alkoholisierten Finnen begrüßen uns überschwänglich, nehmen die Leinen entgegen und freuen sich wahnsinnig, dass wir schon in ihrer Heimatstadt Turku waren. Wir sind erfreut über diesen netten Empfang, wir freuen uns in den Alands zu sein. Schnell klaren wir auf, denn wir alle haben mächtigen Hunger. Wir machen uns Spaghetti mit Scampis, Knoblauch und Tomaten. Satt und glücklich lassen wir den Abend gemütlich ausklingen, während die finnische Crew nebenan ordentlich Gas beim Feiern und vor allem Trinken gibt.
Wir sind froh einen ruhigen Platz für die Nacht gefunden zu haben, denn der Wind hat deutlich an Stärke zugenommen. Die ganze Nacht pfeift es ordentlich im Rigg. Auch am Morgen werden wir noch von deutlichen Windgeräuschen geweckt. Der Wind soll am Nachmittag schwächer werden. So bleibt uns noch Zeit für einen kleinen Inselrundgang. Viel gibt es hier nicht. Wir entdecken ein paar wenige Häuser und Hütten - alle samt sind sie verlassen. Wir stromern durch die Natur - davon gibt es hier reichlich. Es ist eine tolle Atmosphäre - Felsen, Moos, Erika, Heidekraut, ein paar Himbeeren, ein kleiner Fleck mit Wald, ein kleiner Tümpel und immer wieder ein wunderschöner Ausblick auf das Meer. Dann schauen wir noch bei unseren finnischen Nachbarn vorbei - die noch immer oder schon wieder in guter Partylaune sind. Die Jägermeisterflasche steht im Cockpit bereit und sie alle scheinen Spaß zu haben. Silja bekommt von einem Finnen noch ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Kiss my Turku" geschenkt. Natürlich bedanken wir uns adäquat. Nachdem der Finne kund getan hat, dass er Kiel total super findet, können wir es natürlich nicht lassen und schenken der bunten Truppe eine kleine Kiel Sailing City Flagge, die sie mit unserem Auslaufen sogleich hissen.
Das Wetter hat sich mittlerweile beruhigt, die Sonne kommt heraus und der Wind ist schwächer geworden. Mit Groß und Fock machen wir uns auf den Weg nach Mariehamn. Zunächst erwartet uns ein angenehmer Wind - wir können unser Ziel anlegen. Dann gibt es eine Stunde lang ein eher schneckenhaftes Vorankommen - Thorsten steuert und flucht. Und dann kommt wieder eine angenehme Brise - zwar mal wieder von vorne - aber das kennen wir ja schon und gekreuzt sind wir nun lange nicht. Wir nutzen den Wind und fahren fast direkt bis vor den Westhafen von Mariehamn. Der Hafen ist nahezu leer, vielleicht zehn Yachten liegen im Hafen, der Hafenmeister ist nicht vor Ort und ob er kommen wird, das bezweifeln unsere Liegeplatznachbarn. Schön, uns gefällt es hier. Wir machen uns einen Grillabend im Cockpit und morgen starten wir das Sightseeing Programm!
