Wir sind von der Kreuzer Abteilung zur Ehrung der Fahrtsegler 2012 nach Berlin eingeladen worden. Kurz überlegen wir, ob wir den Weg nach Berlin antreten sollen, doch unsere Neugierde überwiegt. Wir wollen diesen festlichen Abend der Kreuzer Abteilung einmal miterleben. So geht es für uns am Samstag nach Berlin. Die Veranstaltung findet im pro arte maritim Hotel direkt an der Friedrichsstraße statt. Übernachten wollen wir hier nicht, sind uns die Zimmerpreise doch deutlich zu hoch und so betätigten wir uns im Vorfeld als Schnäppchenjäger im Internet und konnten ein Zimmer in einem super Hotel - auch direkt an der Friedrichsstraße - zu humanen Preisen ausfindig machen.
Gegen 19 Uhr stürzen wir uns in das maritim Hotel. Mit einem Sekt werden wir empfangen und so langsam trudeln die Fahrtensegler ein. Wir schauen uns um und kennen definitiv niemanden. Komisch, eigentlich bildeten wir uns ein durch unsere Ostseerunde, durch Verein und auch Verbandsarbeit ein paar Leute zu kennen. Aber es bleibt so, wir sehen nur uns vollkommen unbekannte Gesichter. Über den Altersschnitt wagen wir keine Aussage zu machen, doch wir fühlen uns deutlich zu der spärlich vertretenen jüngeren Fraktion zugehörig. Wir haben Glück und landen an einem Tisch, wo man sich wahnsinnig über neue und vor allem junge Gesichter freut. Gegen 20 Uhr werden dann die ersten Worte vom Obmann der Kreuzer Abteilung Uwe Jahnke an den Fahrtenseglerkreis gerichtet. Hier erfahren wir zu gleich, dass eine Reise von 6,5 Monaten Dauer ja an sich nicht zum Fahrtenwettbewerb passt, aber gnädiger Weise doch berücksichtigt wurde... ob wir das wohl sind?!?!
Es beginnt mit Ehrungen der Jugend, dann startet das heiß ersehnte Abendessen - denn uns knurren die Mägen ganz ordentlich. Nach der Suppe gibt es eine längere Essenspause - denn nun kommen die Ehrungen in Bronze. So langsam wird uns auch klar, warum wir hier niemanden kennen - hier scheint sich die Fahrtenseglerszene aus Berlin zu versammeln. Zwei Vorstandsmitglieder an unserem Tisch berichten, dass man hier immer wieder die gleichen Gesichter sieht. Eine eingeschworene Gemeinschaft also. Es werden von der Jury recht umfangreiche Laudationes abgehalten: gute Seemannschaft, kulturell wertvoll, man hatte mit ungünstigen Wetterbedingungen zu kämpfen, usw. Einzelne Satzbausteine scheinen des Öfteren Verwendung zu finden. Im Bereich Bronze handelt es sich um Reisen oftmals im Bereich der Mecklenburg Vorpommerschen Küste, Bornholm, Südküste Schwedens, Hanö-Bucht - alles uns gut bekannte Orte. Dann kommt endlich der Hauptgang - dafür, dass wir im exklusiven maritim Hotel sind, hält sich das Essen in Grenzen, aber wir wollen ja nicht meckern, schmecken tut's - also nur Klagen auf hohem Niveau. Nach dem Hauptgang werden die Fahrtensegler geehrt, die die Silbermedaille erhalten. Hier sind auch wir mit von der Partie....obwohl wir wie gesagt zu lange unterwegs waren....und dafür vermutlich auch nicht genügend Meilen abgerissen haben. Aber, so konnten wir in unserer Laudatio hören, wir hätten doch den Umweltschutzpreis gewonnen - wenn es ihn dann geben würde. Schade, in der Laudatio wurde nicht einmal unser Anliegen - helft den Schweinswalen! - erwähnt. Schade auch, an sich hätten wir uns gerne über die Medaille gefreut, aber irgendwie wurden wir das Gefühl nicht los, nur bedingt willkommen zu sein.
Nach der Silberrunde folgte dann - 22 Uhr war bereits weit überschritten - der Nachtisch und dann ging es weiter mit der Gold-Runde und den Wanderpreisen. Es ist fast 24 Uhr als die Ehrungen durch sind. Trotz des netten Tisches an dem wir saßen, hält uns hier nichts mehr. Wir verbuchen den Abend unter "Erfahrungen sammeln". Die Jury hat sich sicher größte Mühe gegeben bei der Auswahl der ausgezeichneten Segler und sicher auch bei den Laudationes. Doch irgendwie beschlich uns das Gefühl, dass es sich hier um einen internen Berliner Wettstreit handelte, der nur ab und an mal durch einen "Auswärtigen" gebrochen wurde. Zudem fragten wir uns, warum unsere Reise mit etwas über sechs Monaten zu lang war, der Commodore Preis jedoch an jemanden ging, der für seine Weltumseglung ausgezeichnet wurde - ob die weniger als sechs Monate lang war? Vielleicht wissen wir die Laudationes nicht angemessen zu schätzen, wir hätten kürzere Wortbeiträge untermalt mit einigen Bildern angemessener und schöner gefunden. Als einmalige Gäste einer solchen Veranstaltung steht es sicher uns nicht zu großartig kritische Töne zu schwingen, doch soll der Fahrtenwettbewerb eine Veranstaltung ausschließlich für alteingesessene und ältere Fahrtensegler bleiben? Mit einer Veranstaltung dieser Art wird man sicher nicht viele junge Fahrtensegler anlocken. So werden wir sicher nicht noch einmal diese Veranstaltung besuchen oder uns die Mühe machen an dem Fahrtenwettbewerb teilzunehmen. Vielleicht sollten wir einfach mal über eine Parallel-Veranstaltung nachdenken, für alle jungen und junggebliebenen Fahrtensegler mit weniger konservativen Einstellungen.
Noch ein Wort zu unseren Segelambitionen 2013: An sich wären wir nun schon seit ein paar Tagen im Wasser und würden uns schon fast auf dem Ostertörn befinden. Dänische Südsee, Falsled - da sollte es hingehen. Doch wir mussten die Pläne ändern - irgendwie fehlt der Frühling. So steht Fritsjen "wasserfertig" in der Halle und wartet auf ihn, wie so viele, auf den Frühling.