Am zweiten Tag auf Gotland steht für uns eine kleine Inselrundfahrt auf dem Programm. Wir haben eine Autovermietung gefunden, die alte gebrauchte Autos vermietet. Das finden wir perfekt! So kommen wir günstig zu einem Vehikel, bei Avis hätten wir das Dreifache bezahlt. Mit einem vollausgestatteten VW geht es los. Bei der Autovermietung erhalten wir den Tipp, dass in Kräklingbro ein Markt sein soll. So geht es erst in das Örtchen im mittleren Osten der Insel und danach gen Norden, wir wollen nach Farö.
Auf dem Markt herrscht wahnsinniger Trubel, die ganze Insel scheint auf den Beinen zu sein. Es gibt alles: Klamotten, Handwerkliches, Kulinarisches, Karussells, Kuhreiten und eine traditionelle gotländische Sportart - das Varpkastning, bei der Teams von drei Leuten mit kleinen diskusähnlichen Wurfgeschossen einen kleinen Holzstab in 20 m Entfernung treffen müssen. Es ist spannend ihnen zusehen, treffen sie doch ziemlich gut.

Wir fahren die Ostküste hinauf nach Farösund. Dort nehmen wir die Fähre nach Farö. Hier soll es schön sein - Kerstin hatte uns den Tipp gegeben. Wir machen erst eine Rundfahrt und stoppen dann an Tatis Creperie. Viele Restaurants und Kioske sind mal wieder "stängt", aber das kennen wir ja schon und bei Tati haben wir Glück - hier ist am Wochenende offen. Es ist ein einzigartiger Schuppen, man weiß nicht, ob alles absichtlich so angeordnet ist oder ob es eher die "natürliche" Umgebung ist. Überall stehen verrostete Autowracks, alte Fahrräder, alte Schilder, unzählige Fässer - aber alles wirkt, es hat seinen speziellen Charme. Im Inneren ist es urig und auf der begrasten Terrasse hat man einen wunderbaren Blick auf die gotländischen Schafe. Diese sind wirklich anders als die Schafe bspw. auf Saarema in Estland. Man könnte vermuten, dass sie mit Pudeln verwandt sind - zumindest gleicht ihr Fell eindeutig dem Fell eines Pudels. Bei Tati bekommen wir einen ausgezeichneten Crepe. Danach brechen wir auf und fahren zu dem größten Raukgebiet, das es auf Gotland gibt, nach Digerhuvud. Raukar sind eine Besonderheit der gotländischen Landschaft. Es sind Kalksteinsäulen, die unter Beteiligung von Wellen und Wind über Jahrmillionen durch Erosion entstanden sind. Ansonsten erleben wir während unserer Inselrundfahrt verschiedene Landschaften: während der Norden eher karg und felsig erscheint, finden wir im mittleren Bereich eher eine lieblichere Landschaft mit Wald. Zwischendrin finden wir immer wieder Wiesen und Felder mit Schafen und vielen Pferden. Dann sind wir geplättet von den Eindrücken und ein wenig gebeutelt von dem starken und kalten Wind und machen uns wieder auf den Weg zurück nach Visby. Wir haben noch ein wenig Zeit bis wir einen Platz in einem angeblich guten Fischrestaurant haben. Die nutzen wir und genießen die Wärme unseres Hotelzimmers. Wir haben ein neues Zimmer bekommen und von hier aus ist der Meerblick noch besser - einfach toll. Um 20 Uhr geht es für uns ins Backfiskan - eine Mitarbeiterin des Hotels hatte uns den Tipp gegeben. Und wir werden nicht enttäuscht. Es gibt ausgezeichnete Fischgerichte und das zu Preisen, die man für Schweden durchaus als fair bezeichnen kann! Wir sind begeistert!

An unserem dritten Urlaubstag auf Gotland haben wir uns nichts vorgenommen. Wir genießen es Zeit zu haben. Wir lernen die Besitzerin des Hotels kennen - sie ist eine Seglerin und ist mit ihrem Mann erst vor elf Jahren nach Gotland gekommen - zuvor waren sie zehn Jahre in der Karibik und in den USA unterwegs. Es ist für uns immer wieder spannend so viele verschiedene Lebenswege und -konzepte kennenzulernen. Wir schlendern durch Visby, genießen noch einen Kakao und Kaffee in der Sonne und nehmen dann um 16 Uhr die Fähre zurück nach Oskarshamn. Der Wind ist zwar deutlich weniger als die letzten Tage, zwischendurch brist er jedoch immer wieder auf und die Welle ist nach wie vor vorhanden. D.h. auch heute wäre es nicht "unser" Segelwind gewesen. Wir haben es nicht bereut, die Fähre nach Gotland genommen zu haben. Wir hatten ein paar wunderschöne Tage und sie wurden nicht getrübt durch Wetterberichte, die nichts Gutes verheißen. So konnten wir zudem Kraft tanken für die letzten Wochen unseres tierischen Segelsommers.