Von Västervik aus machen wir uns auf den Weg nach Idö. Es sind nur wenige Meilen bis zu dieser Insel, doch mehr wollen wir auch gar nicht zurücklegen, denn der Wind kommt am Mittwoch Nachmittag nach wie vor recht stark. Nur unter Fock legen wir die sechs Meilen zurück. Auf Idö treffen wir auf Thomas und Vroni, sie hatten wir schon in Fyrudden und Västervik getroffen. Ansonsten ist auf der Insel - wie zu erwarten war - alles "stängt" (=geschlossen). Im Sommer scheint es ein beliebtes Ausflugsziel zu sein, zumindest sieht das Restaurant sehr einladend aus. Wir aber haben einen schönen Abend an Bord der Asienaka bei Thomas und Vroni. Es wird ein verdammt netter und recht langer Abend.

Damit rutscht unser Ziel um sechs Uhr am nächsten Tag aufzustehen ein wenig in die Ferne. Dennoch, wir zwingen uns zum frühen Aufstehen, denn der Wind soll auf südwestliche Richtungen drehen und das würde bedeuten, der Wind käme mal wieder von vorne - zumindest die letzten zehn Meilen. Wir schaffen es und schmeißen um 7.30 Uhr die Leinen los. Zunächst setzen wir nur die Fock, der Wind kommt eh von achtern und zwanzig Knoten Wind reichen aus zum zügigen Vorankommen auch mit nur einem Segel. Da abnehmender Wind angesagt ist und wir nun auf Halbwindkurs segeln, setzen wir nach etwa zwei Stunden das Groß. Wir kommen zügig voran, der Wind wird teilweise sogar extrem wenig, so dass wir durch die Wellen gut durchgeschaukelt werden. Aber die Böen bleiben und sorgen für gutes Vorankommen. Der Wind ist allerdings eisig und wir haben schon wieder einige Lagen an Klamotten an - trotz Sonne wird es nicht wirklich warm. Je näher wir Oskarshamn kommen, desto mehr Wind scheint aufzukommen. Prima, fünf Wetterberichte sagen ausnahmsweise einmal einhellig abnehmenden Wind an und was passiert? Er gibt Gas und so haben wir dann wieder langanhaltende Böen von 17 bis 20 Knoten. Wir reffen das Groß und segeln direkt bis vor Oskarshamn - die Winddrehung auf Südwest ist zum Glück noch nicht erfolgt. Gegen 14 Uhr liegen wir fest in Oskarshamn - auf dem Liegeplatz von Uwe. Wir machen Fritsjen gewissenhaft fest. Dieses Mal gibt es alle Leinen doppelt. Dann buchen wir geschwind die Fährtickets für die Fähre nach Gotland. Sie geht um 21 Uhr und ist um Mitternacht in Visby. Bei der Ankunftszeit sehen wir es als recht sinnvoll an vielleicht vorher nach einer Unterkunft zu suchen. Wir schauen im Internet und finden ein kleines Hotel direkt am Wasser und dazu noch mitten in der City. Prima, drei Nächte sind für uns reserviert und empfangen werden wir nach Mitternacht auch noch. Jetzt heißt es nur noch die sieben Sachen zusammenzusuchen, Fritsjen aufklaren und dann kann es losgehen. Vorher gibt es für Fritsjen noch eine Süßwasserdusche, denn wir merken, dass der Salzgehalt der Ostsee wieder deutlich zunimmt. Hatten wir im Norden keinerlei Salzspuren an Deck, so ist mittlerweile eine ganz gute Salzkruste entstanden.

Wir können zum Glück vom Hafen direkt zum Fährterminal laufen. Die Überfahrt nach Visby verläuft problemlos, wir gönnen uns einen Snack im Bordrestaurant und vertreiben uns die Zeit mit Lesen. Und, wir freuen uns an Bord der Fähre zu sitzen, denn selbst sie rollt ganz ordentlich und der Wind hat nicht wirklich nachgelassen - es bläst mit 20 Knoten aus Südwest. Als wir Visby erreichen, herrscht unangenehmes Herbstwetter: starker Wind und dazu Regen. Wir legen schnell die knapp zwei Kilometer zum Hotel zurück. Vorbei geht es am Yachthafen, in dem wir ganze zwei Segler sehen. Und wie Kerstin uns schon angekündigt hatte, der Swell im Hafen ist nicht ganz unbeachtlich. Die zwei recht großen Yachten (40 Fuß und größer) schaukeln sehr ordentlich und gleiches gilt für die Motorboote. Es reißt an den Leinen und wir denken nur: schön, dass wir hier nicht liegen. Stattdessen verkrümeln wir uns in ein richtiges Bett! Wir freuen uns über ein warmes Zimmer, über warme, trockene und kuschelige Decken. Ein Traum!

Freitag früh genießen wir dann ausgiebig die richtig warme Dusche und dazu saubere und trockene Handtücher. Nicht, dass es bei uns an Bord dreckig wäre, nein, die Handtücher sind sauber und an sich auch trocken, aber eben nur an sich. Die Feuchtigkeit an Bord sorgt eben dafür, dass alles nicht wirklich richtig trocken ist. Dann gibt es ein leckeres Frühstück und anschließend geht es auf in die City. Wir schlendern durch Visby und lassen mal wieder alles auf uns wirken. Wir haben uns kein Programm vorgenommen, sondern genießen einfach nur das Städtchen, die alten Gebäude und Ruinen. Am Nachmittag kommt sogar die Sonne zum Vorschein und für geschätzte drei Stunden wird der Wind sogar weniger. Wir genießen den Tag an Land, wir genießen es, kein Wetter checken zu müssen. So müssen wir uns auch nicht aufregen, dass vielleicht wieder viel Wind aus der falschen Richtung im Anmarsch ist. Wir ruhen uns aus und genießen das traumhaft tolle Hotel direkt am Wasser.

Neben all dem Genießen, gibt es mittlerweile natürlich auch Gedanken an zu Hause. Langsam aber sicher rückt die Ankunft näher und damit auch die große Frage, was kommt danach. Immer wieder plagen uns die Gedanken, ob wir wohl einen Job finden werden und was wir genau machen werden bzw. wollen. Eine Antwort darauf wird es natürlich erst geben, wenn wir zu Hause sind und so werden die Gespräche über unsere Zukunft zwar häufiger, aber zum Glück noch nicht Hauptbestandteil des Tages. Dazu haben wir auch zu viel um die Ohren. Morgen geht es mit einem Mietwagen über die Insel.