Trotz der starken Winde kommen wir zwar langsam gen Süden, doch uns plagen andere Gedanken und Pläne. Denn wir wollen doch noch unbedingt nach Gotland, nach Visby. Wir hangeln uns von Arkösund weiter die Küste entlang. Arkösund verlassen wir früh morgens bei strahlendem Sonnenschein. Es ist kräftiger Wind angesagt und so rauschen wir im zweiten Reff und mit Fock gen Süden. Wir haben uns viele Zwischenstopps eingebaut, doch wir nutzen sie nicht, wir steuern direkt Fyrudden an. Sicher nicht der schönste Platz, aber auch nicht der schlechteste. Der Hafen ist klein, überschaubar und er hat alles was wir brauchen. Eine warme Dusche, einen kleinen Tante-Emma-Laden, ein Restaurant, eine Tankstelle und Internet (das hatten wir schon lange nicht mehr). Wir liegen recht geschützt längsseits und freuen uns im Hafen zu sein. Die letzten Meile hatte der Wind uns doch recht ordentlich durchgepustet. Wir gönnen uns als "Anleger" erst einmal ein Eis.

Dann treffen wir noch auf einen Deutschen, der seine Yacht hier in Schweden liegen hat und uns viele gute Tipps und Ankerbuchten nennen kann. Ihm schildern wir unsere Sorgen, dass wir doch gerne noch nach Visby wollen, aber nicht recht wissen, ob es sinnvoll ist. Er zieht nur die Augenbrauen hoch und sagt, bei diesen Winden würde er nicht rüberfahren wollen, vor allem nicht bei der Welle. Kurz bevor er mit seiner Crew ausläuft, kommt er noch bei uns vorbei und gibt uns den Tipp, dass sein Liegeplatz in Oskarshamn bis Ende September frei wäre und wir ihn gerne nutzen können, sollten wir uns entscheiden auf anderem Wege nach Gotland zu fahren. Wir diskutieren nun schon seit ein paar Tagen: Gotland streichen, Gotland auf eigenem Kiel ansteuern oder die Fähre nehmen? Gotland streichen fällt uns schwer, denn wir wollen doch mit dieser Reise einen Einblick oder Überblick von der Ostsee bekommen und da darf Gotland einfach nicht fehlen. Zumal wir uns schon so auf Visby gefreut hatten. Auf eigenem Kiel könnten wir sicher nach Visby kommen, das ist kein Problem. Problematisch ist die Rückfahrt. Es gibt einfach kein Wetterfenster, in dem nicht starke Winde wehen oder Winde, die mal nicht aus westlichen Richtungen kommen. Klar, natürlich können wir auch bei den vorherrschenden Bedingungen zurück ans Festland segeln, doch erstens soll es auch Spaß machen und zweitens sind dies Bedingungen für die Fritsjen nicht wirklich gemacht ist. Und warum sollen wir das Material den Belastungen aussetzen, wenn es nicht unbedingt sein muss? Auch denken wir, bisher haben wir alle Ziele erreichen können, andere haben in dieser Saison schon ganze Pläne umschmeißen müssen. Also warum nicht einfach das Schiff in Oskarshamn liegen lassen und die Fähre nehmen?

Wir machen uns aber erst einmal einen schönen Abend in Fyrudden. Freuen uns über die Sonne und schmeißen noch einmal den Grill an. Es gibt Lamm und Salat und als Vorspeise mal wieder gegrillten Ziegenkäse mit Honig und Knoblauch. Uns geht es gut! Wir beobachten noch einen Augenblick das Treiben im Hafen. Es scheint gerade eine Marineübung stattzufinden - zumindest sind zahlreiche Militärboote im Hafen und Soldaten wuseln hier in großer Anzahl durch die Gegend. Das An- und Ablegen der Marineboote, der Fähren und der einheimischen Fischer und Motorbootfahrer ist das einzige was hier wirklich nervt. Während wir das Gefühl haben, dass man bei uns in Schilksee recht langsam und vorsichtig im Hafen fährt, scheint das für die Schweden nicht von Bedeutung zu sein. Sie düsen mit einer Geschwindigkeit in den oder aus dem Hafen, dass die Welle für ordentlich Bewegung an Bord sorgt. Aber es scheint hier niemanden zu stören, denn bisher haben wir es hier im Süden fast in jedem Hafen so erlebt und keiner sagt dazu etwas.

Am Dienstag geht es für uns früh weiter. Um 7 Uhr schmeißen wir die Leinen los. Wir entscheiden uns gegen eine Ankerbucht. Die Zeiten scheinen nun wirklich vorbei zu sein. Das Wetter ist unbeständig und wir freuen uns über ein wenig Abwechslung an Land, über Strom und eine warme Dusche. Denn, ohne Landstrom, können wir unseren Heizlüfter, den geliebten Ecomaten, nicht anschmeißen. Und ab und an wird es abends wieder so kalt, dass wir ihn wirklich brauchen. Deswegen geht es für uns nach Västervik. Da für den Nachmittag wieder Winde von mehr als 20 Knoten angesagt sind, machen wir uns früh auf den Weg. Wir wählen wieder das innerschärische Fahrwasser. Es ist teilweise sehr eng. Dennoch können wir am Anfang segeln. Gegen Ende dreht der Wind nach vorne und wir entscheiden uns mal wieder für den Motor. Das erwies sich auch als goldrichtig, denn kaum ist der Hafen in Sichtweite dreht der Wind auf. Das Kreuzen hätte uns noch wesentlich länger auf dem Wasser gehalten und vermutlich hätte sich der Segelspaß sehr in Grenzen gehalten. Wir machen noch vor 15 Uhr in Västervik fest. In dem Hafenhandbuch Ostsee II hatten wir gelesen, dass es von Västervik eine Fährverbindung nach Gotland gibt. Hier wollten wir uns entscheiden. Noch einmal das Wetter checken um vielleicht doch noch ein Wetterfenster zu finden, dass uns nach Gotland und auch wieder zurück bringt. Doch zu unserer Überraschung fährt von Västervik keine Fähre. Wir schlendern durch den Ort, der ganz niedlich ist. Zwar gibt es auch hier einige Bausünden, aber durchaus viele schöne alte Holzhäuser. Der Hafen selbst ist mal wieder sehr leer. Wir haben Glück und müssen nur den Preis für die Nachsaison bezahlen, bekommen eine warme Dusche. Sogar der Pool steht uns zur Nutzung frei, doch da er ungeheizt ist, verzichten wir auf die Nutzung.

Die Nacht ist dann wie erwartet recht unruhig, Böen mit mehr als 30 Knoten fegen über Västervik hinweg. Auch für den Mittwoch sind derart starke Winde angesagt, so dass wir nicht auslaufen. Wir können also ausschlafen, in Ruhe frühstücken und noch einmal durch die Stadt schlendern und uns einen Kaffee gönnen. Und wir können weiter planen. Der Wetterbericht hat sich nicht gebessert. Es scheint, als müssten wir doch die Fähren-Variante wählen, aber immer noch besser als nicht auf Gotland gewesen zu sein. Wir warten nun auf weniger Wind, wollen dann nach Idö, einer kleinen Insel vor Vastervik. Und morgen soll es dann in aller Frühe nach Oskarshamn gehen. In der Früh ist noch Nordwestwind. Dieser wird aber im Laufe des Tages auf Süd drehen und käme dann mal wieder von vorne. Um dem vorzubeugen, stehen wir lieber um 6 Uhr auf und düsen schnell nach Oskarshamn. Dort geht morgen Abend um 21 Uhr die Fähre, die uns nach Visby bringen kann. Am Sonntag würde es dann zurück gehen - so der Plan. Ob es klappt, wir werden berichten.