Nach einem weiteren netten Tag in Riga mit Sightseeing, Vorräte einkaufen und Abschiedsessen-Gehen mit Frank und Doro hatten wir uns zunächst viel vorgenommen. Wir wollten von Riga direkt nach Pärnu segeln. Der Wind schien günstig, Südwest mit Stärke 5 abnehmend 4 war angesagt. Da es doch gut 80 Seemeilen bis nach Pärnu sind, wollen wir früh aufbrechen. Auch das klappt wider Erwarten sehr gut. Bereits um 6.30 Uhr ist das Groß oben. Auch erwartet uns in der Rigaer Bucht zunächst der angekündigte Südwest-Wind, so dass wir mit Genaker und Groß die ersten 30 Seemeilen in fünf Stunden zurücklegen. Doch schon da bemerken wir die besondere Welle der Rigaer Bucht: sie kommt von hinten, von der Seite und von vorne. Als dann der Wind nachlässt, ist es ein einziges Geschaukel und die Segel schlagen wie blöd. An sich wollten wir keinen lettischen Hafen mehr anlaufen, aber als wir uns die Frage stellten: entweder die Nacht so durch geschaukelt zu werden oder doch Salacgriva, den letzten Hafen vor der estnischen Grenze, anzulaufen, entscheiden wir uns für letzteres. Kurz vor dem Hafen entdecken wir am Horizont auch ein weiteres Segelschiff, es nähert sich unter Motor und steuert auch den Hafen Salacgriva an. Es ist auch eine Segelyacht aus Deutschland, genauer gesagt aus Burgstaaken.
In Salacgriva soll es laut Hafenhandbuch einen Schwimmsteg mit Strom, WCs, Duschen und sogar Sauna geben. Leider müssen wir feststellen, dass es den Schwimmsteg nicht gibt - entweder noch nicht oder nicht mehr. Wir suchen uns ein Plätzchen an einer der Kaimauern - schön ist was anderes. Hier gibt es weder Strom noch irgendeine Form von sanitären Einrichtungen. Und von dem Fabrikgelände, an dem wir festgemacht haben, kommt man auch gar nicht erst runter. Aber das wollen wir auch gar nicht - wir haben nun die lettischen Häfen ausgiebig getestet und haben ein wenig die Nase voll - wir wollen nach Pärnu und dann nach Kihnu. Deswegen gibt es nur kurz etwas zu essen und dann geht's ins Bett...das war zumindest der Plan. Nachdem wir lecker Pasta mit Gemüse gegessen haben, ertönt auf einmal eine nette weibliche Stimme von der Kaimauer: "Hello! Are you sleeping?" Wir gucken uns beide verwundert an, wer ist das? Eine junge Lettin schaut uns freundlich an, stellt sich als Hafenmeisterin vor und entschuldigt sich tausendmal, dass der Hafen noch nicht fertig ist. "You are too early" ist ihr Standardsatz. Sie zeigt uns, was der Hafen normaler Weise zu bieten hat und wir sind vollkommen erstaunt: nagelneue WCs, Duschen und eine Sauna, Internet gibt es auch - aber erst ab Juni. Sie bringt uns gleich auch eine Straßenkarte und Infomaterial zu Salacgriva mit. Es ist ein kleines, nettes Örtchen kurz vor der estnischen Grenze mit knapp 3500 Einwohnern, in dem es eine Fischfabrik gibt, Unmengen von Holz im Hafen verladen werden und das einen tollen Strand mit unzähligen Schwänen zu bieten hat. Wir machen noch einen abendlichen Dorfrundgang, denn dank der netten Hafenmeisterin können wir das Fabrikgelände für kurze Zeit verlassen.
Der Samstag wird dann unverhofft zu einem ganz chilligen Segeltag. Es sind schwache Winde (von hinten) angesagt und wir befürchteten eine ewig lange Motorerei nach Pärnu, aber stattdessen erwarten uns um die zehn Knoten (mal wieder von hinten), bei denen es sich aber doch ganz entspannt mit Genaker segeln lässt. Den Spi lassen wir heute Spi sein, er würde bei der Welle wahrscheinlich einfach nur schlagen und wir genießen so das Segeln und lesen, essen, hören Musik aus unseren Cockpitlautsprechern, wärmen uns in der Sonne auf und lassen es uns richtig gut gehen. In Pärnu sind wir dann überrascht: hier erwartet uns eine Marina, in der schon zahlreiche Yachten im Wasser liegen. Also nur knapp 40 Seemeilen nördlich von Salacgriva hat die Saison schon längst begonnen...
