Nein, wir wollen nicht mehr über das Wetter schreiben. Auch nicht mehr darüber nachdenken. Süd- bis Südwestwind um die 18 Knoten mit Böen bis 25 und mehr. Aber warum soll es uns auch besser gehen als Susanne oder Digger im Sommer
Derweil sitzen wir an Bord, während es draussen im Rigg pfeift. Lesen und versuchen, eben nicht an den Wind zu denken. Samstag Vormittag sind wir ins örtliche Schwimmbad gegangen und haben es uns gut gehen lassen. Es ist ein schmuckes altes Gebäude, Bäder gibt es in mehreren Etagen. Es ist Familientag im oberen Bereich mit 23 Grad-Pool, 34 Grad Whirlpool und Sauna - abends sind die Bereiche oft nur nach Geschlechtern getrennt nutzbar. Wir hatten den ganzen Bereich fast für uns alleine, nur zwei junge Mädchen kamen später dazu - einfach herrlich, im warmen Whirlpool zu sitzen und das Draussen zu vergessen! Und eine super Alternative zu den nicht gerade einladenden Duschen im Hafen, die auch noch zehn Kronen für sechs Minuten kosten. Dann lieber 50 Kronen für das komplette Programm. Wir haben es jedenfalls sehr genossen und das nicht das erste und letzte Mal!
Eigentlich sollte es für uns am Montag weiter gehen. Nur ein kurzes Stück, zwölf Meilen weiter ist ein kleiner Hafen, das hätten wir bzw. wohl der Motor gegen den Wind durch die Schären geschafft. Aber nach einem letzten Wettercheck und den Windgeräuschen im Rigg am Morgen entscheiden wir uns anders. Denn die nächsten Tage wären wir dann in diesem kleinen Hafen eingeweht, wo vermutlich nichts ist. Es sieht nun nach einer Wetterbesserung Mitte bis Ende der Woche aus, und wir wollen einfach nicht mehr kämpfen, also bleiben wir einfach noch hier. Warum soll es uns anders gehen als der Cassiopeia, die letztes Jahr hier sechs Tage eingeweht war. Zudem sind wir es leid immer gegen an zu Bolzen und noch haben wir die Zeit und den Luxus uns ein wenig aussuchen zu können wann wir fahren. Wir haben uns zum Ziel gesetzt am 13.10. wieder in Kiel zu sein und bis dahin ist ja noch ein wenig Zeit...wir hoffen nach wie vor auf den "goldenen Oktober".
Da wir die Zeit nutzen um zu Entspannen und zu neuen Kräften zu kommen, passiert auch nicht allzu viel bei uns. Die Stadt haben wir mittlerweile ausgiebigst erkundigt, ein Stammcafe haben wir mittlerweile auch schon - hier werden wir auch gleich in englisch begrüßt, der Hafenmeister kennt unsere Gesichter nun auch schon zu Genüge... Immerhin, haben wir am ersten und zweiten Tag noch 155 SEK bezahlt, waren es am dritten Tag nur noch 100 SEK und seit gestern scheint hier alles "stänkt" zu sein. Es gibt keinen Hafenmeister mehr, der Pincode an den Toiletten ändert sich nicht mehr, sogar in die Tvättstuga (hier befinden sich die Waschmaschinen und die Trockner) kommen wir hinein und können sie nach Belieben nutzen. Der Hafen ist inzwischen auch wie ausgestorben. Die Einheimischen legen nach und nach alle ihre Masten, die Boote verschwinden langsam aber sicher in den Winterlagern. Immerhin, heute sind drei weitere Gastyachten im Hafen: ein Finne, ein Pole und ein weiterer Deutscher.
Da es wie gesagt nicht allzu viel berichten gibt, bleibt Zeit für eine Anekdote, die Silja seit Kalmar nicht mehr loslässt. Sie hatte dort im Hafen, als sie auf dem Weg zur Waschmaschine war, ein deutsches Ehepaar kennengelernt, dass nun seit einigen Jahrzehnten in der Nähe von Kalmar in einem Haus für 40.000 DM lebte. Er hieß Peter, sie hatte sicher auch einen geschmackvollen Namen. Silja wird überschwemmt mit Informationen und das in nur wenigen Minuten. Die Wäsche muss warten, der Redeschwall will nicht enden. Als die werte Frau Silja stolz erklärte, sie sei erst 58 Jahre alt und dann nebenbei zu Silja sagte: "Naja, ich bin ja in etwa so alt wie Sie. Sie sind doch sicher auch um die 58?" Da blieb Silja dann doch die Spuke weg. Der Mann versuchte noch zu retten was noch zu retten war und sagte: "Ach nein, sie sieht doch noch sehr jung aus, sicher erst 30 Jahre alt!" So eine Altersfehleinschätzung hat Silja jedenfalls noch nicht erlebt und wir fragen uns nun, ob die Reise wirklich zur Erholung beigetragen hat?! Oder war bzw. ist sie derart anstrengend, dass der Alterungsprozess so beschleunigt wurde?!?!?
Naja um dem vorzubeugen, testen wir heute die erste Ebene des Schwimmbades. Hier gibt es einen 32 Grad Pool und ein Dampfbad. Auch wenn wir die zweite Ebene deutlich favorisieren, ist es auch hier sehr angenehm. Wir genießen den wundervoll warmen Pool und wieder einmal die Leere - mit uns ist nur ein Vater mit seinen beiden Töchtern im Bad. Nach dem ausgiebigen Bad in der Wärme überrascht uns draußen strahlender Sonnenschein und eine ungewohnt milde Luft. Schade, es ist tolles Herbstwetter - einzig der starke Südwestwind stört.
Wir hoffen derweil auf Westwind am Mittwoch, dann wollen wir einen ordentlichen Schlag zurücklegen - hoffentlich klappt's.
