Am Mittwoch brechen wir wieder früh auf - der Wind kommt ausnahmsweise mal aus Nordwest und das wollen wir natürlich nutzen! Es ist traumhaftes Segeln, mit bis zu 6,5 Knoten rauschen wir der Bavaria 40 davon, die zeitgleich mit uns den Hafen verlassen hat. Zugleich scheint die Sonne, und so lässt sich auch die Kälte gut aushalten - es erinnert ein bisschen an die Anfangszeit im April, auch wenn es da noch kälter war... Gegen 12 Uhr sind wir kurz vor Kristianopel, unserem eigentlichen Ziel. Aber weil es so gut läuft wollen wir die Chance nutzen und weiter nach Süden kommen, es sind nur 15 Meilen weiter bis Sandhamn. Kaum haben wir uns so entschieden, dreht der Wind und briest immer mehr auf, natürlich wieder mal schön von vorne. Wir binden ein Reff ins Groß und arbeiten uns mit 15 Wenden bis nach Sandhamn, während die Bavaria 40 unter Maschine an uns vorbeizieht... Nach fast zehn Stunden Segeln finden wir einen gut geschützten kleinen Hafen vor, der zu unserer großen Überraschung auch noch geöffnet hat! Wie wir erfahren ist er sogar das ganze Jahr über geöffnet, vor allem für Freizeitfischer - die scheinen noch eine Ecke härter zu sein, als wir... Wir sind jedenfalls mal wieder stehend k.o. und sind früh in der Koje.

Auch am Donnerstag wollen und müssen wir den Vormittag nutzen, denn der Wind soll immer weiter zunehmen und - natürlich - direkt von vorne kommen. Da aber für Freitag bis zu 37 Knoten Wind angesagt sind, wollen wir noch die 15 Meilen nach Karlskrona zurücklegen, um in dieser interessanten Stadt abzuwettern. Es muss mal wieder der Motor herhalten, da bei Wind von vorne in den engen Schärengewässern an Segeln leider nicht zu denken ist. So laufen wir gegen Mittag in den Hafen ein - gerade rechtzeitig, denn der Wind nimmt immer mehr zu. Das Wetter ist herrlich, und so schlendern wir durch das gemütliche Städtchen und genießen warmen Kakao und Kaffee in der Sonne. Im Hafen treffen wir auch die vier Jungs mit ihrer gecharterten Bavaria 40 wieder und werden spontan zu Kaffee und Kuchen eingeladen. So sitzen wir in der Sonne im Cockpit und erzählen über unsere Erlebnisse. Die vier sind aus Mönchengladbach und Umgebung, haben das Schiff für zwei Wochen und sind von Lauterbach in einem Schlag nach Kalmar gesegelt, um nun in kleineren Etappen langsam wieder zurück zu segeln. Vielen Dank nochmal für den netten Nachmittag!

Da der nächste Tag grau und stürmisch werden soll, machen wir noch einen Rundgang zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Bei schönstem Abendlicht erkunden wir das Viertel Björkholmen, das mit seinen Holzhäuschen im Weltkulturerbe aufgenommen ist, die Werft, die Admiralitätskirche und die imposanten Bauten am Wasser. Ein schöner Abendspaziergang mit vielen tollen Eindrücken. Der Hafen ist derweil von deutschen Schiffen geentert - von zehn Gastliegern sind sieben aus D. So merken wir, dass wir langsam wieder nach Hause kommen.

Dem Grau des Freitagmorgens setzen wir erstmal ein gemütliches Frühstück mit Pfannkuchen entgegen, einfach immer wieder gut. Danach nutzen wir das Wetter und besichtigen das Marinemuseum, in dem die Geschichte und Entwicklung der schwedischen Marineseefahrt und die Rolle von Karlskrona wie wir finden sehr eindrucksvoll und abwechslungsreich dargestellt wird. In einem Tunnel unter Wasser kann man die Methoden der Unterwasserarchäologie erkunden, die Modelle der alten Werft sind sehenswert ausgestellt und immer wieder gibt es Exponate zum selbst ausprobieren. So navigiert Silja ein Schiff mit Hilfe des Jacobsstabes sicher über die Ostsee! Uns kann also gar nichts passieren.

Wann und wie wir weiterkommen, wissen wir allerdings noch nicht. Für die kommenden Tage ist immer West- bis Südwestwind mit an die 20 Knoten angesagt. Wahrscheinlich abreiten wir uns wieder in kleinen Schritten vor. Das kennen wir ja schon...