Auch wenn der goldene Oktober sich noch nicht so richtig durchsetzen konnte, wurden wir das Gefühl nicht los, dass das Wetter auf den letzten Tagen unserer Reise es doch einigermaßen gut mit uns meinte. Am Donnerstag ging es für uns von Bagenkop nach Laboe. Es war Südostwind mit 20 Knoten, Böen bis 25 später auch bis 28 Knoten angesagt. Daher beschlossen wir schon früh morgens auszulaufen. Um 7.30 Uhr ging es los. Es war erfrischend kühl, doch der Himmel wolkenfrei und die Sonne kam hinter dem Horizont hervor. Das Licht war einfach traumhaft. Wir setzten gleich das Groß im zweiten Reff und die Fock. Kaum waren wir aus der Landabdeckung Langelands frei kam auch schon der Wind. So düsten wir gen Laboe. Hier wollten wir die letzte Nacht verbringen, da für Samstag kräftige Winde aus Südwest angesagt waren. Deswegen kippten wir unsere eigentlich Planung, nach der wir am Samstag von Maasholm nach Kiel gesegelt wären. Dem war auch gut so. Wir hatten einen tollen Segeltag mit dem maximalen Speed dieser Reise von 12,4 Knoten durchs Wasser. Doch nach vier Stunden merkten wir deutlich die Kälte zumal die Überfahrt auch alles andere als trocken war. Auf dem letzten langen Schlag hatten wir dann auch den einzigen Schaden während des Segelns zu verzeichnen (den Motor lassen wir hier mal außen vor). Nichts Dramatisches, doch bei über 20 Knoten und ein wenig Welle erschrickt man schon, wenn es an Bord auf einmal ein "Peng" gibt. Wir guckten uns um und schnell wurde klar, dass Unterbackstag war gerissen bzw. der Schäkel zerbrochen. Schnell beheben wir den Schaden und alles ist wieder gut. Dabei wird uns einmal wieder klar, wie gut wir es auf dieser Reise gehabt haben. Auch wenn wir zweimal ernsthafte Probleme mit dem Motor hatten, so hatten wir ansonsten überhaupt keine Schäden zu verzeichnen. Kein Fall, kein anderer Tampen ist gerissen, keine Blöcke oder Schäkel sind kaputtgegangen, die Segel sind heil geblieben - alles hat wirklich super geklappt.
In Laboe finden wir schnell einen Liegeplatz - auch hier lichtet sich der Hafen deutlich. Wir machen ein kleines Päuschen, gönnen uns ein zweites oder auch erstes Frühstück und danach eine richtig warme Dusche (und das ohne Zeitbegrenzung!!). Danach gibt es einen Spaziergang durch den Ort, dazu ein leckeres Eis und Kaffee bzw. Kakao. Es ist für uns sehr ungewohnt wieder in Deutschland zu sein. Wir gönnen auf einmal deutsch reden um uns zu verständigen, Euros fühlen sich auf einmal ganz komisch an und die Mentalität der Menschen ist doch deutlich anders als wir es die letzten Monate gewöhnt waren. Willkommen zurück in Deutschland: kein "Hallo" oder "Hej" mehr auf dem Steg, eine unfreundliche Bäckersfrau, überall Menschen mit heruntergezogenen Mundwinkeln…..mmmmh, sollen wir doch wieder umdrehen? Nein, natürlich nicht, wir freuen uns auf zu Hause, auf unsere Familie, auf unsere Freunde.
Damit wir uns in Schilksee auch sehen lassen können, nutzen wir den Samstag und putzen Fritsjen. Danach putzen wir uns und nach einer leckeren Waffel im dänischen Eisladen legen wir ab. Es ist schönstes Segelwetter: Sonnenschein, keine eiskalten Temperaturen und Wind von vier Beaufort. So segeln wir noch ein paar Schläge durch Strander Bucht und bergen dann um 15 Uhr vor Schilksee die Segel. Danach flaggen wir Fritsjen noch ein wenig: alle Gastlandsflaggen sind gesetzt, am Vorstag der große Clubstander und unsere Flagge und das Flaggenalphabet hängt zu Teilen am Großfall. So fahren wir in den Hafen. Schon von Weitem erkennen wir, dass auf dem Turm, wo ehemals das Olympische Feuer brannte, einige Menschen uns zu winken und mit einem Herzlich Willkommen Plakat winken. Mit Tröten werden wir am Steg empfangen. Unsere Familie, Freunde, Bekannte und viele Clubkameraden warten dort auf uns. Und auch Jens und Lena von der AG Schweinswal haben den Weg aus Stralsund nicht gescheut! Toll! Wir sind ganz begeistert, so viele bekannte Gesichter wiederzusehen! Toll, dass unsere Clubkameraden mit Glühwein auf uns warten, toll, dass Petell noch Sekt organisiert hat, toll, dass Holger noch mit einer Kiste Bier vorbei kam. Wir haben uns ganz riesig über diesen Empfang gefreut! Und sagen allen, die dort waren, auf diesem Weg noch einmal ein ganz, ganz herzliches Dankeschön!
Und so vergeht der Nachmittag wie im Fluge, es gibt viel zu berichten. Mit dem Abend kommt auch der Regen und so verlagern wir die Gespräche ins El Möwenschiss, wo die legendäre Currywurst auf uns wartet. Im engsten Kreis fahren wir nach Hause und dort wird es ein recht langer und sehr netter Abend. Doreen wartete dann noch mit einem Willkommens-Frühstück am nächsten Morgen auf uns und unsere Gäste. Auch das war einfach klasse.
Für uns heißt es nun erst einmal ankommen. Fritsjen liegt zwar nun in Schilksee und wir sind physisch gesehen auch in Kiel angekommen, doch irgendwie erscheint uns alles noch so unwirklich. Die sechs Monate sind vergangen wie im Fluge und doch ist in dieser Zeit viel passiert. Wir haben neun Länder besucht und 3.723 Seemeilen zurückgelegt. Man hat so viel erlebt, so viele nette Menschen kennengelernt und so viele Eindrücke mitgenommen. Da fällt es schwer direkt und nahtlos an das alte Leben anzuknüpfen. Wie gut, dass wir dies auch nicht müssen, denn noch haben wir beide keinen neuen Job - die Suche beginnt jetzt erst. Doch vorerst lassen wir es ruhig angehen. Fritsjen wird ausgeräumt - aber nicht leer geräumt. Auch wenn wir schon abgegrillt haben, heißt das ja nicht, dass damit auch die Segelsaison zu ende ist. Das Absegeln heben wir uns noch auf. Und am liebsten würden wir ja noch einmal nach Bogense - Fritsjens altem Heimathafen - segeln um Frits und Jens Jorgen zu besuchen. Denn sie haben unsere Reise immer verfolgt und uns per Mail auch in Kiel herzlich Willkommen geheißen. Ein schönes Gefühl zu wissen, dass die Ersteigner immer mit "dabei" sind.
An dieser Stelle möchten wir uns auch bei allen bedanken, die unsere Reise verfolgt, Berichte gelesen und mit uns in guten wie in schlechten Tagen mitgefiebert haben. Insbesondere in Zeiten, wo nicht immer alles glatt läuft, ist es schön zu wissen, dass viele in der Heimat an uns gedacht haben. Auch über die zahlreichen netten Emails haben wir uns sehr gefreut. Es ist toll, wie viele bis dahin uns unbekannte Menschen geschrieben haben - wir hoffen, euch alle auch noch persönlich noch kennen zu lernen!
(Die Bilder zu diesem Beitrag haben nicht nur wir gemacht. Dank an Jens, Inge und Jürgen für die Aufnahmen.)
