Von Rodvig geht es für uns weiter nach Vordingborg. Vor dem Auslaufen riskieren wir einen Blick auf das Regenradar und das war goldrichtig. Wir warten noch eine halbe Stunde und laufen dann erst aus - dann sind die meisten Schauer durch. Wir kreuzen durch die Fakse Bucht bei fünf Beaufort. Von richtig miesen Schauern bleiben wir verschont, Strom haben wir auch nur gering und ab und an kommt die Sonne hervor. Es herrscht richtig schöne Herbststimmung. So können wir bis zur Ansteuerungstonne vom Bögestrom kreuzen. Dann nehmen wir die Segel herunter und motoren durch den Bögestrom, der Wind kommt von vorne und das Fahrwasser ist uns teilweise zu eng zum Segeln. Kalvehave erreichen wir schon am Nachmittag und so entschließen wir uns noch weiter bis Vordingborg zu fahren. Dort kommen wir mit dem letzten Tageslicht an. An freien Boxen mangelt es hier nicht. Und hier erfahren wir nun, dass aus "stängt" ein "lukket" geworden ist. Die Duschen und WCs sind schon zu, aber immerhin Strom gibt es noch, Wasser auch und das WLAN ist auch noch aktiv. Immerhin. Wir klaren schnell auf und machen uns dann auf den Weg ins Örtchen. Wir wollen uns mal wieder mit einem Burger belohnen. Und siehe da, wir finden im Ort tatsächlich eine Burger-Bar. Prima! Wir genießen Pommes und einen riesigen Burger. Danach stellen wir erstaunt fest, dass der Supermarkt noch offen hat und kaufen das Nötigste ein. Dabei entdecken wir Jule-Glogg - den sollten wir vielleicht kaufen, es wäre das passende Anleger-Getränk.
Zurück auf Fritsjen kommt dann noch einmal der Wettercheck und damit die Planung für den nächsten Tag. Es sind südliche Winde angesagt - an sich gut um aus dem Smalandsfahrwasser herauszukommen. Aber Böen bis 30 Knoten? Nein, das wollen wir nicht. Und dann auch noch eine angekündigte Winddrehung gen Südwest - nein, dann kommt der Wind von vorne. So beschließen wir einstimmig noch einen weiteren Tag in Vordingborg zu bleiben. So können wir genüsslich ausschlafen, nach dem Frühstück einen ausgiebigen Stadtrundgang machen und später gemütlich an Bord Lesen. Die Regenschauer lassen es unter Deck gemütlich werden.
Vordingborg ist ein nettes kleines, dänisches Städtchen mit einer Schlossruine, von der im Wesentlichen nur noch der Gänseturm erhalten geblieben ist, einem Botanischen Garten und einer kleinen Einkaufsstraße. Hier finden wir ein Schild "Vordingborg - die lebende Stadt". Irgendjemand hat daraus allerdings... die tote Stadt... gemacht. Ganz so drastisch würden wir es nicht ausdrücken, aber es stehen doch recht viele Ladenlokale leer. Ein gemütliches Cafe suchen wir auch vergeblich.
Am Donnerstag geht es für uns weiter. An sich wollten wir schon früh ablegen, doch irgendwie scheint es keiner so recht aus den Federn geschafft zu haben. So legen wir gegen 10 Uhr ab. Wir wollen nach Agersö. Wir nehmen die Brücke am Masnedo Sund, die nach einer halben Stunde warten doch für uns aufmacht. Danach erleben wir seit langem mal wieder einen traumhaften Segeltag. Mit Fock und Groß düsen wir mit sieben Knoten gen Agersö. So sind wir dann auch schneller auf der kleinen Insel als gedacht. Weiter wollen wir heute aber nicht, denn kaum haben wir angelegt, drehte der Wind auf West. Und für den Weg nach Kerteminde nutzen wir lieber den für morgen angekündigten Südwind. Der Dorfspaziergang ist schnell erledigt, viel gibt es hier nicht zu sehen. Aber beschaulich ist es. Kirche, Kaufmann, Bank, Kro - das Dorf hat alles was man braucht, auch wenn wir uns die Bank und den Kro ein wenig anders vorgestellt haben...
