Nachdem wir den Abend in Kurjoviken total nett in dem Restaurant im Hafen verbracht haben, mit ausgezeichnetem Essen und netten Gesprächen, sahen wir zu unserer Freude am nächsten Morgen Lars und seine Frau im Hafen. Sie waren nachts von Halsön noch in ihren Heimathafen Kurjoviken gefahren. Sie fragten uns netterweise, ob wir noch etwas brauchten und als die Seetankstelle kein Benzin ausspuckte, konnten wir das Angebot von Lars nicht ausschlagen. Er wollte für uns mit unserem Kanister zur Tankstelle fahren und tanken. Gesagt, getan. Und so kam er wenige Minuten später wieder mit einem gefüllten Benzinkanister und dazu noch für jeden von uns eine Tafel Marabou Schokolade! Danke Lars! Das war einzigartig!
Voller Freude über diese Gastfreundschaft brechen wir auf zum Bjuröklubb. Der Wind ist schwach und wir kommen nur langsam voran. Der Himmel ist bedeckt und mit weniger als 3 Knoten dümpeln wir bei ausnahmsweise mal achterlichen Winden dahin. So können auch 16 Seemeilen verdammt lang werden. Nach zwei Stunden sind wir des Dümpelns und Segelschlagens überdrüssig und schmeißen den Motor an. Uns kommt eine deutsche Yacht entgegen - wir winken uns zu. Weiter geht es Richtung Bjuröklubb. Vor uns sehen wir eine kleine Yacht dümpeln - ebenfalls mit schlagenden Segeln. Als wir näher kommen, erkennen wir die Nationale - es sind auch Deutsche. Wir ändern den Kurs und fahren zum "Hallo" sagen vorbei. Und siehe da, es sind Moritz und Sarah, die mit einem 22 Fuß Schiff unterwegs sind. Sie wurden schon von einigen Schweden gesehen, die wir wiederum getroffen hatten und uns berichteten. Prima, wir freuen uns, dass wir uns hier auf dem Wasser treffen. Da auch Moritz und Sarah nicht mehr nach Dümpeln ist, nehmen wir sie in Schlepp, so sind wir schneller im Hafen und können Plauschen. Das wird dann auch Hauptaufgabe für die nächsten Stunden.
Wir haben Glück, in Bjuröklubb ist noch Platz für uns. Der Hafen ist ausgesprochen klein und mehr als zehn Schiffe passen in den Hafen nicht hinein. Zudem hatte uns eine recht große Yacht zuvor überholt, die im Hafen schon recht viel Platz in Anspruch nahm. Wir machten fest und dann gibt es erst einmal Kaffee, Tee und Kuchen und ganz viel Geplausche. Wir tauschen Erfahrungen und Erlebnisse aus. Dann erkunden wir die Umgebung und natürlich den Leuchtturm, kraxeln über die Felsen und entdecken Unmengen von Blaubeeren.
Abends macht Moritz die Feuerstelle an und wir schmeißen zusammen, was wir an essbaren Dingen an Bord haben. Es wird mal wieder lecker: Käsewürstchen und Kartoffelsalat, gegrillte Zucchini mit Knoblauch, Fleisch und Couscous-Salat. Beim Essen geht das Geplausche natürlich weiter. Wir lachen viel, erzählen uns unsere Erlebnisse und haben einfach Spaß. Nach dem Grillen soll es in die Sauna gehen - Moritz hat sie schon angeheizt. Kurz bevor wir aufbrechen wollen, kommen zwei Schweden und fragen, ob sie kurz die Sauna nutzen können. Klar, dann reden wir noch ein wenig und gehen danach. Nur wurden aus den zwei Schweden irgendwie acht - es war eine Tauchergruppe. Naja, zunächst waren wir nur mäßig begeistert, aber dann war es wieder einfach nett. So gab es eine bunte Sauna mit vielen interessanten Gesprächen übers Segeln, Wasser und Tauchen.
Für den Sonntag verhieß der Wetterbericht mal wieder suboptimale Bedingungen - fast kein Wind und wenn, dann von vorne oder von hinten - war ja klar. Wir stehen dennoch früh auf und dank Moritz und Sarah gibt es Blaubeerpfannkuchen. Sie hatten nämlich direkt nach dem Aufstehen zwei große Töpfe voll Blaubeeren gepflückt. Gemeinsam frühstücken wir an Bord von Fritsjen und danach machen wir uns auf den Weg weiter nach Süden. Mal sehen wie weit wir kommen. Es wird ein ewiges Hin und Her. Genaker rauf, Genaker runter, Motor an, Fock rauf, Motor aus, Fock runter, Motor an. Gegen 17 Uhr erscheint dann eine weniger schöne Wolke am Himmel. Gewitter sind für heute angesagt. Also, da wir gerade mal wieder dabei sind mühsam mit etwas mehr als 3 Knoten zu kreuzen, lassen wir das Groß zur Unterstützung oben und motoren. Bis nach Ratan kommen wir heute nicht mehr. Wir laufen Gumbodahamn an. Nicht unser Traumziel, aber immerhin wieder 30 Seemeilen nach Süden geschafft.
Derzeit empfinden wir das Vorankommen als äußerst schwierig. Hatten wir sonst wenigstens mal Anlieger, so haben wir es die letzten Tage - eigentlich seit wir Törre verlassen haben, nur mit Wind von direkt vorne zu tun und so werden die Wege nach Süden unendlich lang. Auch trägt das Wetter derzeit nicht gerade zur Stimmungsaufhellung bei. Es ist verdammt kühl. Das Wasser mit teilweise unter 10 Grad eisig kalt und die Nächte werden nun wirklich wieder dunkel. Das kann schon ein wenig auf die Stimmung schlagen, wenn man sonst um Mitternacht eine wahnsinnig tolle Abendstimmung hatte und nun alles wieder düster ist.
Aber immerhin die Sonne kommt zurück, das Gewitter ist an uns vorbeigezogen und wir sind noch nicht einmal nass geworden. In Gumbodahamn werden wir nett empfangen geheißen. Hier ist es ruhig, ein paar Menschen verirren sich hierher und das war's auch schon. So können wir dann am Montag auch direkt früh die Leinen losschmeißen. Es ist natürlich wieder Südwestwind und wir wollen nach Südwesten. Deswegen nehmen wir uns heute auch nur 15 Seemeilen vor bis nach Ratan. Der Wind soll zunehmen und das tut er dann auch im Laufe des Vormittages. Dennoch es ist ganz nettes Kreuzen bei Sonnenschein und recht angenehmen Temperaturen. Am frühen Nachmittag - naja, fast mittags - laufen wir in Ratan ein. Hier ist es nett. Ein kleines Dorf, in dem Spuren der Vergangenheit deutlich zu sehen sind. Hier gab es massive Kämpfe zwischen den Schweden und Russen und zudem wurden hier die Landhebungen dokumentiert. So entdecken wir Wasserstandsmarken - die älteste ist von 1749. Sehr schön hier! Draußen bläst es wie blöde, aber wir liegen ansatzweise ruhig in Ratan und genießen einmal einen segelfreien Nachmittag.
Für morgen sind nun wider Erwarten Winde aus Nordost angesagt und die wollen wir nutzen um weiter zu kommen. Es soll nach Holmsund gehen, in der Nähe von Umea. Schauen wir mal, was das Wetter so mit sich bringt....
