Das hatten wir uns mal wieder alles ein wenig anders vorgestellt. Am Samstag brachen wir mit der Julius gemeinsam aus Kilen auf. Der Hafen dort war nett, aber für mehr als einen Abend gab er auch nicht viel her. Und so machten wir uns dann um 9 Uhr auf den Weg nach Gashällan. Das war zumindest unser Ziel. Die Windvorhersage verhieß mal wieder nur bedingt Gutes: schwacher Wind, wenn dann von vorne und dazu Gewitterneigung. Ein Traum - was wünscht sich der Segler mehr... Insofern hatten wir uns auch zwei Alternativ-Häfen auf den Weg nach Gashällan ausgeguckt.

Doch wider Erwarten ist draußen auf See Ostwind und mit halben Winden kommen wir sehr gut voran. Außer Regenschauer ist auch noch nichts in Sicht und so düsen wir nach Gashällan. Eine kleine Insel, mit einer ebenso kleinen Bucht. Doch dort angekommen, müssen wir feststellen, dass der im Hafenhandbuch angekündigte Steg nicht vorhanden ist. Und da die Bucht nach Osten hin ein wenig offener ist, für den nächsten Tag aber ganz ordentlicher Ostwind angesagt ist, verlassen wir die Bucht wieder und beschließen gemeinsam mit der Julius nach Storkorshamn zu laufen. Das sind noch mal 14 Seemeilen mehr, aber es ist auch erst 15 Uhr als wir Gashällan verlassen. Den ganzen Tag hatten wir Glück, es waren alle Schauer bisher um uns herum gezogen, aber keiner hatte uns erwischt. Damit war nun aber Schluss. Wir sollten vor dem Hafen noch einmal schön geduscht werden. Die Anfahrt zum Fischereihafen Storkorshamn passierten wir nur mit wenigen Knoten Fahrt, denn sie war erstens mit 1,5m-Tiefgang in der Seekarte ausgewiesen (und wir haben 1,65m) und zweitens gab es keine Tonnen, sondern nur Richtfeuer, die man allerdings nur erahnen konnte. Sie waren im Wald versteckt und teilweise so ausgeblichen, dass sie kaum zu erkennen waren. Dennoch kamen wir gut im Hafen an, und auch die Julius, die noch 15cm mehr Tiefgang hat als wir. Im Hafen treffen wir auf so gut wie nichts - es gibt ein paar Stege, ein paar Heckbojen und ein paar wenige Boote (kleine Motorboote und ebenso kleine Fischerboote). Immerhin, wir finden Strom. Plumpsklos gibt es auch - drei an der Zahl, aber sie sind ohne Türen und absolut ungenießbar. Wasser kann auch gezapft werden, für ganze 2 Euro für 100 Liter (was sollen wir mit 100 Liter Wasser? Unser Tank fasst gerade mal 20 Liter). Macht aber alles nichts, wir hatten einen tollen Segeltag und sind weiter voran gekommen, als gedacht. Da können wir auch den Moskitos trotzen, die sich hier zu hauf tummeln.

Am nächsten Morgen trennen sich die Wege von uns und der Julius. Doro und Frank wollen weiter Richtung Schweden und wir wollen nach Vaasa und dann weiter Richtung Norden. Kommenden Samstag landen Andreas und Maren in Oulu und wir wollen ihnen so weit wie möglich entgegen segeln. Leider ist die See spiegelglatt, die Wetterberichte sind mal wieder ein Traum, denn jeder sagt etwas anderes. Mehrheitlich schwachwindig, teilweise diesig oder Nebel und gegen Abend Gewitter. Kaum sind wir auf dem Wasser und hören den Funk, da verkündet Turku Radio mal wieder eine Starkwindwarnung für unseren Bereich. Kann das sein? So langsam weiß man wirklich nicht mehr, woran man glauben soll. Naja, wir motoren erst einmal, der Wind ist schwach und kommt von vorne. Mehr als zwei Stunden geht das gut, bis wir auf einmal vermehrt weißen Rauch aus dem Auspuff aufsteigen sehen. Silja prüft kurz die Temperatur des Motors und der ist deutlich wärmer als sonst. Also Motor stoppen und mal wieder analysieren. Da wir uns aber in einem nicht allzu breiten Fahrwasser befinden und um uns herum das Wasser teilweise nur wenige Zentimeter tief ist, schmeißen wir den Anker. Das hatten wir uns auch anders vorgestellt, das erste Ankern. Wir liegen hier mitten im Fahrwasser, irgendwo mittig zwischen diversen Inselchen, der Wind wird zunehmend mehr. Aber, immerhin, der Anker hält auf Anhieb. Wir prüfen, was wir prüfen können, doch es scheint mal wieder, als hätten wir ein ernstes Problem. Wir tippen auf den Impeller und da wir ja nahezu einen Außenborder im Schiff haben, kann dieser nur gewechselt werden, wenn wir aus dem Wasser gehen. Denn der Impeller sitzt bei uns unten im Schaft. Super! Wir können es einfach nicht glauben - schon wieder sind wir dran. Und natürlich, eine Woche lang fahren wir zusammen mit der Julius und alles läuft prima. Da fahren wir den ersten Tag wieder alleine - und schon streikt der Motor wieder.

Wieder diskutieren wir. Was sollen wir tun? Nach Vaasa segeln? Wind ist. Aber er kommt von vorne und die Fahrwasser sind hier teilweise so eng, dass sie bei Wind von vorne kaum zu passieren sind. Hinzu kommt, dass 20 Seemeilen Kreuzen in diesen engen Fahrwassern extrem anstrengend für uns beide werden würden. Und ein klein wenig k.o. sind wir doch. Unser letzter richtiger Ruhetag - ohne Sightseeing, einfach nur Relaxen, Lesen, Schlafen - der ist verdammt lange her. Zudem würde es bedeuten, dass wir dem Wetter und damit den angekündigten Gewittern hoffnungslos ausgeliefert wären. Wir entscheiden uns schleppen zu lassen - Frage ist nur, von wem. Wir rufen in Vaasa bei der Segelvereinigung an. Dort werden wir an Turku verwiesen an das Maritime Rescue Team. Jan führt einige Telefonate, Silja versucht die finnische Segelyacht Tiranda über Funk zu erreichen, die bis Kilen drei Tage in den gleichen Häfen lag wie wir. Wir wissen, dass sie nach Jakobstad wollen und damit eigentlich bei uns vorbeifahren müssten. Doch Silja kann sie nicht erreichen, Jan kann Schlepphilfe anfordern. In 30 bis 45 Minuten sollen sie bei uns sein. Und, wie soll es anders sein, nach 30 Minuten kommt die finnische Segelyacht Tiranda vorbei. Sie bieten an, uns in den nächsten Hafen zu schleppen. Das Angebot nehmen wir natürlich gerne an, denn eines war durch die Telefonate klar geworden. Eine Schlepphilfe nach Vaasa würde es nicht geben, es sei denn wir zahlen dem SAR-Team 150 Euro die Stunde und bis Vaasa würden es etwa vier bis fünf Stunden sein. D.h. wir lägen dann bei einem Preis von 600 bis 750 Euro. Das ist uns eindeutig zu viel. So lassen wir uns erst von der finnischen Tiranda schleppen. Als dann das SAR Team doch vorbei kommt (sie sagten, sie kommen in jedem Fall um zu schauen, dass alles ok ist), wechseln wir das "Schleppunternehmen" und sie übergeben uns der SAR. Denn, in den Häfen ist es hier teilweise verdammt eng und da hatte Frederik von der Tiranda mehr als recht, als er sagte, das SAR Boot kann uns besser rangieren. Wir werden daraufhin nach Bredskäret geschleppt, der Hafen ist nur zwei Meilen von unserem "Ankerplatz" entfernt. An einer Holzpier machen wir fest, die vier vom SAR Team helfen uns. Sie sind ausgesprochen freundlich, Fragen nach dem Problem und sind gleich dabei und versuchen Lösungen zu finden: eine Schlepphilfe hier aufzutreiben scheint fast unmöglich zu sein, sie diskutieren über einen mobilen Kran, darüber, ob sie ihr Training am Dienstag nicht so verbinden könnten, dass sie uns nach Vaasa schleppen. Die Hilfsbereitschaft ist beeindruckend. Da wir erfahren, dass wir in the middle of nowhere gelandet sind, fährt uns Maria von dem Team sogar noch in den 20km entfernten Supermarkt und bringt uns voll beladen zum Schiff zurück. Während der Fahrt organisiert sie noch schnell, dass wir auch Strom bekommen. Wir sind dankbar, die vier und ihren Chef Jens hier getroffen zu haben, denn ohne sie wären wir sicher noch mehr verloren. So haben wir wenigstens etwas. Toiletten und Duschen kann man hier zwar lange suchen, Wasser und Müllentsorgungsmöglichkeiten auch, aber immerhin gibt es hier Handynetz und damit auch Internet.

Wo wir aber gleich beim nächsten Problem wären. Leider ist unser Datenvolumen vom finnischen Stick überschritten und wir müssten ein zusätzliches Datenpaket kaufen. Das geht aber im Internet nur, wenn man ein finnischen Konto hat oder bei einem R-Kiosk. Das eine haben wir nicht und einen R-Kiosk werden wir hier nicht wirklich finden. Naja, wir sind ja inzwischen Probleme gewöhnt. So nutzen wir die Zeit, schlafen ein wenig länger, gönnen uns mal wieder Pfannkuchen zum Frühstück, putzen das Schiff und schreiben ein wenig für die Internetseite. Eine Lösung aller Probleme ist zwar noch nicht gefunden, aber wir haben ja noch ein wenig Zeit zu telefonieren und zu organisieren. Aufgrund unser derzeit extrem langsamen Internetverbindung gibt es zu diesem Bericht auch nur ganz wenige Bilder. Alle anderen werden wir hochladen sobald wir wieder einen vernünftigen Internetzugang haben.